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Webseite selber machen oder machen lassen?

Jonathan Lao5 Min. Lesezeit

Kurze Antwort

Selber machen lohnt sich, wenn du eine einfache Präsenz brauchst, 20 bis 40 Stunden Zeit hast und nicht über Google gefunden werden musst. Eine Agentur rechnet sich, sobald die Webseite Anfragen bringen soll, mehrere Leistungen abbildet oder deine Zeit mehr wert ist als die Ersparnis.

Webseite selber machen oder machen lassen – Zeitaufwand und Kosten im Vergleich

Wir sind eine Webagentur und raten trotzdem regelmässig davon ab, uns zu beauftragen. Nicht aus Bescheidenheit, sondern weil ein Projekt, das sich für den Kunden nicht rechnet, für niemanden gut ausgeht.

Dieser Artikel soll dir die Entscheidung abnehmen – in beide Richtungen.

Wann reicht ein Baukasten wirklich?

In drei Situationen, und die sind häufiger, als Agenturen zugeben.

Du brauchst nur eine Visitenkarte im Netz. Kontaktdaten, ein paar Sätze zum Angebot, vielleicht drei Bilder. Kunden kommen über Empfehlung, nicht über Google. Ein Baukasten kostet dich rund 180 Franken im Jahr statt 800 bis 3'000 Franken einmalig.

Du testest gerade eine Geschäftsidee. Bevor klar ist, ob das Angebot funktioniert, ist jede Investition in eine professionelle Seite verfrüht. Bau etwas Einfaches, schau ob es läuft, mach es später richtig.

Du hast mehr Zeit als Geld. Am Anfang ist das oft so. Dann sind 30 Stunden eigene Arbeit die günstigere Währung.

In allen drei Fällen würden wir dir vom Auftrag abraten. Das kostet uns Umsatz, spart dir aber Geld, das du besser anderswo einsetzt.

Wie viel Zeit kostet es wirklich, eine Webseite selber zu bauen?

Deutlich mehr, als die Werbung der Baukästen suggeriert. «In 30 Minuten online» stimmt technisch, führt aber zu einer Seite, die aussieht wie in 30 Minuten gebaut.

Realistisch für ein brauchbares Ergebnis:

Aufgabe Zeitaufwand
System kennenlernen, Vorlage auswählen 3–5 Stunden
Struktur festlegen 2–4 Stunden
Texte schreiben 8–15 Stunden
Bilder besorgen und aufbereiten 3–6 Stunden
Aufbau und Feinschliff 5–10 Stunden
Impressum, Datenschutz, Formular 2–4 Stunden
Gesamt 23–44 Stunden

Zeitaufwand für eine selbstgebaute Webseite, aufgeschlüsselt nach Aufgaben

Der grösste Posten sind die Texte, und das gilt auch dann, wenn eine Agentur die Seite baut. Wer denkt, er könne diesen Teil abgeben, unterschätzt, wie viel Rückfragen entsteht.

Rechne deinen eigenen Stundensatz gegen. Bei 80 Franken die Stunde entsprechen 30 Stunden rund 2'400 Franken – mehr als eine einfache Firmenwebseite kostet.

Wo stossen Baukästen an ihre Grenzen?

An drei Stellen, und alle drei zeigen sich erst nach ein paar Monaten.

Sichtbarkeit bei Google. Baukästen erzeugen Code, den du nicht beeinflussen kannst. Ladezeiten sind regelmässig schlechter, und einzelne technische Einstellungen fehlen ganz. Für einen Betrieb, der über Empfehlungen lebt, spielt das keine Rolle. Für einen, der Anfragen über Google will, schon. Mehr dazu in Wie wird eine Webseite bei Google gefunden.

Der Wechsel. Was du in einem Baukasten baust, bleibt dort. Es gibt keinen sauberen Weg, Inhalte und Struktur mitzunehmen. Wer nach zwei Jahren wechselt, fängt praktisch von vorne an.

Das Detail, das nicht geht. Die Zahlungsart, die nicht unterstützt wird. Das Formularfeld, das sich nicht anlegen lässt. Die Sprachversion, die den Preis verdoppelt. Solche Punkte kommen selten am Anfang, aber sie kommen.

Wann rechnet sich eine Agentur?

Sobald einer dieser vier Punkte zutrifft.

Die Webseite soll Anfragen bringen. Wenn Google eine Rolle spielt, brauchst du Struktur, Ladezeit und Inhalte, die auf Suchbegriffe ausgerichtet sind. Das ist Handwerk, das man lernen muss.

Du hast mehrere Leistungen. Für jede braucht es eine eigene Seite, die den Begriff ernsthaft behandelt. Eine Seite mit allen Leistungen in je zwei Sätzen rankt für keine davon.

Es geht um Vertrauen. Wenn dein Kunde vierstellige Beträge ausgibt, bevor er dich trifft – Treuhand, Beratung, Bau, Medizin – dann ist die Webseite Teil der Kaufentscheidung. Eine erkennbar selbstgebaute Seite kostet dich dort Aufträge.

Wann ein Baukasten reicht und wann sich eine Agentur rechnet

Deine Zeit ist teurer als die Ersparnis. Der einfachste Test: Was verdienst du in 30 Stunden? Wenn das mehr ist als die Offerte, ist die Rechnung eindeutig.

Gibt es einen Mittelweg?

Ja, und er wird selten angeboten.

Du kannst die Teile übernehmen, die keine Fachkenntnis brauchen, und den Rest abgeben. In der Praxis heisst das meist: Du lieferst Texte und Bilder, die Agentur macht Struktur, Technik und Umsetzung. Das senkt den Preis spürbar, weil der Textaufwand der grösste Einzelposten ist.

Eine zweite Variante ist die Übergabe. Die Agentur baut die Seite und richtet den Verwaltungsbereich so ein, dass du Texte, Bilder und einfache Seiten selbst pflegst. Danach fallen keine laufenden Kosten an, ausser du willst sie.

Beides sollte in der Offerte stehen. Wenn ein Anbieter nur ein Rundum-Paket anbietet, frag nach.

Welche Fehler passieren beim Selbermachen am häufigsten?

Vier, und alle vier sind vermeidbar.

Bilder aus dem Netz übernehmen. Der teuerste Fehler überhaupt. Ein Bilderrechte-Verstoss kostet in der Schweiz schnell vierstellig, und die Abmahnungen kommen automatisiert. Nutze Unsplash, Pexels oder eigene Fotos – und lies die Lizenz, auch bei kostenlosen Quellen.

Alles auf eine Seite packen. Wer Leistungen, Referenzen, Team und Kontakt auf einer einzigen Seite abhandelt, hat für Google eine einzige Seite. Das rankt für nichts. Pro wichtige Leistung eine eigene Seite.

Vorlagentexte stehen lassen. «Lorem ipsum» findet sich häufiger auf Live-Seiten als man denkt. Dasselbe gilt für Platzhalter wie «Über uns – hier kommt dein Text».

Die vier häufigsten Fehler beim Selbermachen einer Webseite

Kein Impressum, keine Datenschutzerklärung. Beides ist bei geschäftlicher Nutzung Pflicht, sobald ein Kontaktformular vorhanden ist. Die Baukästen bieten Vorlagen, die aber angepasst werden müssen.

Was wir Kunden konkret raten

Wir stellen im Erstgespräch drei Fragen, und daraus ergibt sich die Antwort fast von selbst:

  1. Woher kommen deine Kunden heute? Wenn zu 90 Prozent über Empfehlung, hat eine SEO-optimierte Seite wenig Hebel. Dann reicht etwas Einfaches.
  2. Was kostet dein günstigster Auftrag? Wenn eine einzige zusätzliche Anfrage im Jahr die Seite bezahlt, ist die Rechnung klar.
  3. Wie viele Stunden hast du im nächsten Monat frei? Wenn die Antwort «keine» lautet, wird aus dem Selbstbau-Projekt erfahrungsgemäss nichts.

Ehrliche Antworten auf diese drei Fragen sparen mehr Geld als jede Rabattverhandlung.

Wenn du nach diesem Artikel zum Schluss kommst, dass sich eine Agentur lohnt, findest du auf unserer Seite zur Unternehmenswebseite Leistungen, Ablauf und Preisrahmen. Kommst du zum gegenteiligen Schluss, hat der Artikel seinen Zweck genauso erfüllt.

Häufige Fragen

Welcher Baukasten ist der beste für Schweizer KMU?
Für einfache Firmenwebseiten sind Wix, Squarespace und Jimdo die verbreitetsten. Jimdo hat den Vorteil, dass Impressum und Datenschutz für den deutschsprachigen Raum vorbereitet sind. Squarespace bietet die saubersten Vorlagen, Wix die meisten Funktionen bei etwas unübersichtlicherer Bedienung. Wer später einen Online-Shop plant, sollte Shopify prüfen – der Wechsel von einem Baukasten dorthin ist aufwendig.
Kann ich später von einem Baukasten wechseln?
Technisch ja, praktisch mit Aufwand. Inhalte lassen sich meist nur manuell übertragen, weil Baukästen keinen brauchbaren Export bieten. Die Domain kannst du mitnehmen, das ist wichtig für die Suchmaschinen. Rechne damit, dass Texte und Bilder neu eingepflegt werden müssen – bei einer Seite mit fünf Unterseiten sind das einige Stunden.
Wie viel Zeit brauche ich für eine Webseite mit einem Baukasten?
Für ein Ergebnis, das professionell wirkt, realistisch 23 bis 44 Stunden. Der grösste Posten sind die Texte mit 8 bis 15 Stunden, gefolgt vom eigentlichen Aufbau. Die oft beworbenen «30 Minuten bis online» stimmen technisch, führen aber zu einer Seite mit Platzhaltertexten und Vorlagenbildern, die man ihr ansieht.
Ist eine selbstgebaute Webseite rechtlich in Ordnung?
Sie muss dieselben Anforderungen erfüllen wie jede andere. In der Schweiz sind das ein Impressum bei geschäftlicher Nutzung und eine Datenschutzerklärung nach revidiertem DSG, sobald du Personendaten bearbeitest – ein Kontaktformular genügt dafür. Die meisten Baukästen bieten Vorlagen an, die als Ausgangspunkt taugen, aber angepasst werden müssen. Bilder aus dem Netz zu übernehmen ist der häufigste und teuerste Fehler.
Lohnt sich eine Agentur bei einem sehr kleinen Budget?
Unter etwa 800 Franken selten. Darunter entsteht entweder eine Seite ohne eigene Inhalte oder es wird nachträglich nachgefordert. Sinnvoller ist dann, mit einem Baukasten zu starten und in ein bis zwei Jahren richtig zu investieren, wenn das Geschäft trägt. Ein Zwischenweg ist, nur die Texte und die Struktur professionell erstellen zu lassen und die Umsetzung selbst zu machen.
JL

Geschrieben von

Jonathan Lao

Gesellschafter und Geschäftsführer, PortalWeb GmbH

Jonathan Lao führt PortalWeb GmbH in Altdorf und arbeitet seit Jahren mit Schweizer KMU an Webseiten, Online-Shops und Suchmaschinenoptimierung. Die Beispiele und Zahlen in diesen Artikeln stammen aus laufenden Projekten in Uri, Schwyz und Luzern.