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WordPress, Shopify oder Eigenentwicklung?

Jonathan Lao5 Min. Lesezeit

Kurze Antwort

WordPress passt für Firmenwebseiten mit regelmässigen Inhalten, Shopify für Online-Shops mit Standardabläufen, eine Eigenentwicklung dann, wenn Ladezeit, SEO oder eine Anbindung an bestehende Software den Ausschlag geben. Der grösste Unterschied liegt nicht im Preis der Erstellung, sondern im laufenden Wartungsaufwand.

WordPress, Shopify oder Eigenentwicklung – Systemvergleich für Webseiten

Rund 43 Prozent aller Webseiten weltweit laufen auf WordPress, wie die laufende Erhebung von W3Techs zeigt. Daraus zu schliessen, dass es für dein Projekt die richtige Wahl ist, wäre ungefähr so sinnvoll wie einen Kleinbus zu kaufen, weil er sich gut verkauft.

Hier der Vergleich ohne Lagerdenken – wir arbeiten je nach Projekt mit allen drei.

Wann ist WordPress die richtige Wahl?

Wenn du regelmässig selbst Inhalte veröffentlichst und ein System brauchst, für das es überall Hilfe gibt.

WordPress ist ein Redaktionssystem. Es ist stark, wenn Inhalte wachsen: Blog, Referenzen, News, Mitarbeiterseiten. Der Verwaltungsbereich ist nach einer Einführung ohne Vorkenntnisse bedienbar, und für praktisch jede Anforderung gibt es ein Zusatzmodul.

Genau darin liegt auch die Schwäche. Jedes Modul ist Code von Dritten, der gepflegt werden muss. Eine typische WordPress-Seite hat fünfzehn bis dreissig davon. Wenn eines nicht aktualisiert wird, entsteht eine Sicherheitslücke – und angegriffene WordPress-Seiten sind der häufigste Grund, warum uns Betriebe kontaktieren.

Kosten: Erstellung 1'500 bis 6'000 Franken. Laufend 300 bis 1'200 Franken pro Jahr für Updates, Sicherheitsprüfungen und Backups. Diese Position ist kein optionaler Zusatz, sondern Betriebskosten.

Passt: Firmenwebseiten mit Blog, Betriebe mit häufigen Inhaltsänderungen, Projekte mit ungewöhnlichen Anforderungen.

Passt nicht: Wenn niemand die Wartung übernimmt. Eine ungepflegte WordPress-Seite ist nach zwei Jahren ein Risiko.

Wann ist Shopify die richtige Wahl?

Wenn du Produkte verkaufst und dich nicht mit Technik beschäftigen willst.

Shopify nimmt dir die Dinge ab, die im E-Commerce am meisten Ärger machen: Zahlungsabwicklung, Versandregeln, Steuersätze, Sicherheitsupdates. Das läuft alles im Hintergrund, und wenn etwas nicht funktioniert, ist es Shopifys Problem.

Der Preis dafür ist Miete statt Besitz. Ab etwa 30 Franken im Monat, plus Transaktionsgebühren von 1,2 bis 2,9 Prozent, wenn du nicht Shopify Payments nutzt. Bei 100'000 Franken Jahresumsatz sind das schnell 2'000 bis 3'000 Franken zusätzlich.

Die zweite Einschränkung ist die Gestaltungsfreiheit. Vieles ist möglich, manches nicht, und wo die Grenze verläuft, merkst du erst, wenn du dagegen stösst.

Kosten: Erstellung 1'200 bis 6'000 Franken. Laufend ab 360 Franken pro Jahr plus Transaktionsgebühren.

Passt: Shops bis einige hundert Produkte, Standardabläufe, wer schnell starten will.

Passt nicht: Ungewöhnliche Preislogik, enge Anbindung an ein Warenwirtschaftssystem, sehr grosse Sortimente.

Wann lohnt sich eine Eigenentwicklung?

Wenn Geschwindigkeit, Suchmaschinen oder eine Anbindung an bestehende Software den Ausschlag geben.

Eine massgeschneiderte Seite hat keine fremden Zusatzmodule, keine Datenbankabfragen für Inhalte, die sich nie ändern, und keinen Code, den du nicht brauchst. Das Ergebnis sind Ladezeiten, die ein Baukasten oder ein Modul-Ökosystem nicht erreicht – und Ladezeit ist ein bestätigter Ranking-Faktor.

Die zweite Stärke ist die Angriffsfläche. Wo es keine Zusatzmodule gibt, gibt es keine Modul-Sicherheitslücken. Der laufende Wartungsaufwand liegt deutlich unter dem von WordPress.

Der Nachteil ist die höhere Anfangsinvestition und die Abhängigkeit von jemandem, der den Code versteht. Frag deshalb vor dem Auftrag, welche Technik eingesetzt wird. Etablierte Werkzeuge wie Next.js sind so verbreitet, dass jeder Webentwickler damit umgehen kann. Eine hausgemachte Lösung wäre ein echtes Klumpenrisiko.

Kosten: Erstellung 3'000 bis 12'000 Franken. Laufend 0 bis 300 Franken pro Jahr für Hosting.

Passt: SEO-getriebene Projekte, mehrsprachige Seiten, Anbindungen an bestehende Systeme, Betriebe mit langem Zeithorizont.

Passt nicht: Kleines Budget, sehr häufige Strukturänderungen durch dich selbst.

Was kostet welches System auf fünf Jahre?

Der Erstellungspreis ist nur ein Teil der Rechnung. So sieht es über fünf Jahre aus, bei einer normalen Firmenwebseite:

WordPress Shopify Eigenentwicklung
Erstellung 3'000 3'000 5'000
Wartung 5 Jahre 3'000 0 500
Lizenzen 5 Jahre 500 1'800 0
Hosting 5 Jahre 750 0 500
Gesamt 7'250 4'800 6'000

Gesamtkosten über fünf Jahre: WordPress, Shopify und Eigenentwicklung im Vergleich

Die Zahlen sind Richtwerte und verschieben sich je nach Projekt deutlich. Bei Shopify kommen Transaktionsgebühren dazu, die bei wachsendem Umsatz alles andere überholen. Bei WordPress hängt viel davon ab, wie viele Zusatzmodule im Einsatz sind.

Was die Tabelle zeigt: Der günstigste Einstieg ist selten die günstigste Lösung.

Vergleich von WordPress, Shopify und Eigenentwicklung nach Wartungsaufwand, Freiheit, Ladezeit und Startgeschwindigkeit

Wie erkenne ich, mit welchem System eine Seite gebaut ist?

Das fragen erstaunlich viele – meist um zu prüfen, was der Wettbewerb einsetzt.

Bei WordPress genügt oft ein Blick in den Quelltext. Rechtsklick, «Seitenquelltext anzeigen», dann nach wp-content suchen. Taucht es auf, ist es WordPress. Ein zweiter Hinweis ist die Adresse /wp-admin – erscheint dort ein Login, ist die Sache klar.

Shopify erkennst du an cdn.shopify.com im Quelltext. Bei Eigenentwicklungen ist es schwieriger, weil es keinen einheitlichen Fingerabdruck gibt.

Praktischer sind Browser-Erweiterungen wie Wappalyzer, die das automatisch anzeigen.

Was ist mit einer WordPress-Webseite alles möglich?

Praktisch alles, was ein KMU braucht – und genau das ist Fluch und Segen zugleich.

Über Zusatzmodule lassen sich Buchungssysteme, Mitgliederbereiche, mehrsprachige Seiten, Formulare mit Bedingungslogik und Anbindungen an Buchhaltungssoftware umsetzen. Für die meisten Anforderungen existiert eine fertige Lösung, was Entwicklungszeit spart.

Der Haken: Jedes Modul bringt eigenen Code, eigene Updates und eigene Sicherheitslücken mit. Eine Seite mit dreissig Modulen ist nicht dreissigmal mächtiger, sondern dreissigmal wartungsintensiver. Wir empfehlen deshalb, die Zahl bewusst klein zu halten und bei zentralen Funktionen zu prüfen, ob eine schlanke eigene Lösung nicht sinnvoller ist.

Eine Faustregel aus der Praxis: Unter zehn Modulen ist eine WordPress-Seite gut beherrschbar. Ab zwanzig wird die Wartung zum eigenen Kostenfaktor, und ab dreissig solltest du die Systemwahl grundsätzlich hinterfragen.

Welche Frage entscheidet wirklich?

Nicht «welches System ist besser», sondern wer pflegt die Seite in drei Jahren.

Wer pflegt die Seite in drei Jahren – die Frage, die über die Systemwahl entscheidet

Wenn niemand die Wartung übernimmt, ist WordPress die schlechteste Wahl, obwohl es das verbreitetste System ist. Wenn du wachsen willst und die Marge zählt, werden Shopify-Gebühren irgendwann zum Thema. Wenn Google die Hauptquelle für Anfragen sein soll, spricht vieles für eine Eigenentwicklung.

Wir arbeiten mit allen drei und empfehlen das, was zur Ausgangslage passt. Unsere eigene Seite ist übrigens eine Eigenentwicklung mit Next.js – aus genau dem Grund, den wir oben nennen: Als Agentur, die SEO verkauft, wäre eine langsame Seite schwer zu erklären.

Welches System für dein Vorhaben passt, klären wir gerne unverbindlich. Die Leistungen im Detail findest du auf unserer Seite zur Unternehmenswebseite, und wenn es um einen Shop geht, unter Online Shop erstellen lassen.

Häufige Fragen

Ist WordPress kostenlos?
Die Software ja, das Projekt nicht. WordPress selbst kannst du frei herunterladen, aber du brauchst Hosting, eine Domain, meist ein kostenpflichtiges Design und regelmässige Wartung. In der Schweiz liegen die Gesamtkosten einer professionell umgesetzten WordPress-Seite bei 1'500 bis 6'000 Franken Erstellung und 300 bis 1'200 Franken pro Jahr laufend. «Kostenlos» bezieht sich nur auf die Lizenz.
Wie sicher ist WordPress?
Der Kern von WordPress ist gut gepflegt, die Schwachstelle sind Zusatzmodule. Untersuchungen zeigen regelmässig, dass die grosse Mehrheit erfolgreicher Angriffe auf veraltete Module oder Designs zurückgeht, nicht auf WordPress selbst. Eine Seite mit aktuellen Updates, starken Passwörtern und wenigen Modulen ist sicher. Eine, die zwei Jahre nicht aktualisiert wurde, ist es nicht.
Kann ich von WordPress zu Shopify wechseln oder umgekehrt?
Ja, aber es ist ein Projekt und kein Knopfdruck. Produktdaten lassen sich über Tabellen übertragen, Inhaltsseiten müssen meist neu aufgebaut werden. Wichtig sind die URLs: Wenn sich Adressen ändern, brauchst du Weiterleitungen, sonst verlierst du bestehende Google-Platzierungen. Rechne bei einem mittleren Shop mit zwei bis vier Wochen.
Ist eine Eigenentwicklung ein Klumpenrisiko?
Nur wenn sie auf einer hausgemachten Grundlage aufbaut. Wird ein verbreitetes Werkzeug wie Next.js oder Laravel eingesetzt, kann jeder Webentwickler damit weiterarbeiten. Wichtig ist, dass der Quellcode in einem Repository liegt, auf das du Zugriff hast, und dass eingesetzte Technik in der Offerte steht. Beides solltest du vor Auftragserteilung klären.
Welches System ist am besten für SEO?
Alle drei können gut ranken, die Unterschiede liegen im Aufwand. Eine Eigenentwicklung erreicht die besten Ladezeiten am einfachsten, weil kein überflüssiger Code mitläuft. WordPress kann mit Optimierung mithalten, braucht dafür aber Arbeit und die richtigen Module. Shopify ist bei Produktseiten gut, bei redaktionellen Inhalten eingeschränkter. Entscheidend bleibt aber der Inhalt – ein schnelles System mit dünnen Texten rankt nirgends.
JL

Geschrieben von

Jonathan Lao

Gesellschafter und Geschäftsführer, PortalWeb GmbH

Jonathan Lao führt PortalWeb GmbH in Altdorf und arbeitet seit Jahren mit Schweizer KMU an Webseiten, Online-Shops und Suchmaschinenoptimierung. Die Beispiele und Zahlen in diesen Artikeln stammen aus laufenden Projekten in Uri, Schwyz und Luzern.